Enniger, St. Mauritius

Neubau unter Verwendung von Registern der Vorgängerorgel

Die neue Orgel mit geschmückter Empore zum Weihetag

Bei diesem Orgelprojekt handelt es sich um eine Symbiose aus einer Restauration und einem technischen Neubau. Das historische Gehäuse und zahlreiche sehr alte Pfeifen (vor allem ab der kleinen Lage) fanden Wiederverwendung. Das Orgelherz, die eigentliche Orgeltechnik, wurde komplett neu erstellt.

Von Beginn an standen für uns die Wünsche der Gemeinde im Vordergrund. Der engagierte Kirchenmusiker, der orgelbegeisterte Pfarrer und der aktive Kirchenvorstand hatten schon sehr genaue Vorstellungen, in wie weit sie ihre Orgel wieder herrichten lassen wollten und konnten.

Mit diesen Ideen im Gepäck trat die Gemeinde dann an uns heran und wir begannen bei uns in der Werkstatt, den berühmten roten Faden für dieses Projekt zu spinnen. So bekam das ganze Werk ein Gesicht: Der rote Faden führte uns nun von der Grundlage der Systementscheidung, der Disposition bis hin zu den Restaurationsprozessen.

Die Ausgangsituation: Wir fanden eine vollkommen desolate Orgel vor. Der Holzwurm hatte sich schon satt gefressen an den elektro-pneumatischen Kegelladen, deren Papieren und Leder der Keilbälgchen. Nur auf Grund der üppigen Ausstattung mit Sub- und Superkoppeln kamen in der Äquallage noch Töne. Die Orgeltechnik war also abzuschreiben. Die Durchsicht der Register war dagegen sehr erfreulich - hinsichtlich des qualitativen Zustandes, als auch von den Mensuren her.

So empfahlen wir der Kirchengemeinde unsere Restauration mit technischem Neubau. Der rote Faden läuft von dem Erhalt der historischen Substanz (Gehäuse), Wiederverwendung von gewachsener und sehr alter Substanz beim Pfeifenwerk, Rückbau auf historisches Vorbild (ohne es kopieren zu wollen) bei den Windladen, den Mechaniken und dem Standort des Spieltisches. Das bedeutete: Die Orgel wird vollständig entkernt, das massiv aus Eiche gefertigte Gehäuse restauriert und farblich neu gefasst, als System wird eine vollmechanische Orgel eingebaut mit Schleifladen, innen wird ein Lagerwerk errichtet, dass einerseits alle Orgelkomponenten trägt, andererseits dazu dient, das gesamte Orgelwerk zu stabilisieren (bis in die Spitze ist das Gehäuse 8m hoch!) Der neue Spieltisch ist nun wieder in der Mitte der Orgel im Gehäuse integriert. Das Pfeifenwerk wird größten Teils restauriert und übernommen, einige Register ersetzt und die Disposition um einige Stimmen erweitert.

Die zahlreichen Sub- und Superoktavkoppeln in der alten Orgel führten zur Sorge in der Gemeinde, dass die neue Orgel "zu leise" werden werden könnte. Beim obligatorischen Dispositionsspiel einigten wir uns auf vier Register mehr für die Orgel. Den Rat des damaligen Orgelsachverständigen, Herrn Ekkehard Stier, einen 16' im Hauptwerk zu disponieren, nahmen wir dankbar an. Leider konnten wir aus Platzgründen innerhalb der Orgel auf den Hauptwerkswindladen kein 16'-Register unterbringen. Eine Transmission kam nicht in Betracht - die Subbass-Mensur ist als Manualregister gänzlich ungeeignet.

Wir spendierten dafür der Orgel eine Suboktavkoppel vom Schwellwerk ans Hauptwerk. (16II - I). Nicht nur mit dem zusätzlichen Volumen besticht nun das Instrument, sondern auch mit einer großen Zahl an weiteren Variationsmöglichkeiten.

Die Traktur haben wir so herausgearbeitet, als spiele man ein Cembalo: ein knackiger Druckpunkt mit leichtem Nachlauf. Dies verleiht dem Instrument ein sicheres Spielgefühl bei gleichzeitig sehr hoher Artikulationsgenauigkeit.

Die Intonation erwies sich für uns als Glücksfall. Die übernommenen Register aus der Vorgängerorgel stammten aus der neoromantischen Zeit und spielten so unserem angestrebten Klangziel ideal zu. Dazu konnten wir die speziell ausgewählten, neuen, gebrauchten Register in diesen Reigen des Klangspektrums perfekt integrieren. Der Kirchenraum mit seinem feinen, nicht zu langanhaltenden Nachhall veredelt jeden Ton, so dass auch gewisse Schwächen an vereinzelten Alt-Pfeifen unhörbar sind.

Bilder der Vorgängerorgel

Bilder: Abbau, Restauration, Neubau

Disposition

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