Jonschwil, St. Martin

Generalüberholung, Umbau und Sanierung der kompletten Orgelelektrik

Jonschwil, das schweizer Dorf mit knapp 4.000 Einwohnern, liegt im östlichen Kanton St. Gallen in der Nähe von Wil. Schon seit 1959 mit dem damaligen Neubau der Orgel unterhält die Firma Orgelbau Späth (Rapperswil/Rüti) die Orgel in der Pfarrkirche St. Martin und das gute Verhältnis führte zum Auftrag zum Umbau und Erweiterung der Orgel, bei der wir mithelfen durften. Unsere Aufgabe lag bei der Konstruktion und Planung des neuen Spieltischs und der anschließenden Umintonation des Instruments.

Die dreimanualige Orgel mit 32 Registern wurde 1959 durch die Gebrüder Späth in Rapperswil SG mit elektrischer Spiel- und elektro-pneumatischer Registertraktur erbaut. Das System ist als Schleiflade ausgelegt.

Die Elektrik war nach dem Stand der 1960er Jahre gebaut. Sie war sehr ordentlich gemacht, doch führten nach mehr als 50 Jahren immer öfter Fehler in der Elektromechanik zu unangenehmen Störungen. Für eine Orgel dieser Größe sind zwei Freie Kombinationen nicht viel - hinsichtlich des heute machbaren. Bei der Schleifenzugbetätigung stand eine Restauration der pneumaischen Keilbälge oder der Einsatz von elektrischen Schleifenzugmagneten zur Diskussion. Mit den Ideen der Komplettsanierung kam auch die Umstellung des Spieltischs zur Sprache.

Die Gemeinde entschied sich für die große Lösung. Mit der Anschaffung eines neuen 3-manualigen Spieltischs wurde auch sein neuer Standort festgelegt. Aus akustischen Gründen empfahlen wir die Positionierung mittig vor der Orgel; mit dem Vorteil, dass der Organist auch den Kirchenchor dirigieren kann. Als Traktursystem wurde ein BUS-System angeboten, das heißt, es läuft nur noch ein LAN-Kabel vom Spieltisch bis in die Orgel (Anstatt über 250 einzelner Litzen). Über dieses LAN-Kabel werden auch die neue Registermagnete angesteuert.

Herz des Ganzen ist ein komplexes, computergesteuertes Traktur-, Koppel und Setzersystem, welches dem künstlerische Schaffen eines Organisten nun alle Möglichkeiten eröffnet.

Mit dem System der Firma SINUA steht nun jedem Organisten ein eigener, unendlich großer Setzer zur Verfügung. Wenn er mit seinem Chip die Orgel (behrührungslos) einschaltet, hat er sich automatisch authentifiziert und seine Einstellungen und Setzerprogrammierungen stehen für ihn bereit. Ein ungewolltes Löschen oder Verändern der Einstellungen eines Kollegen ist unmöglich. 

Mit den freiprogrammierbaren Koppeln kann der Organist jede beliebige Koppel kreieren. So wären auch Quint- oder Septimkoppeln möglich. Diese Eigenkoppeln sind dann auch im Setzer speicherbar. Die Melodie- bzw. Basskoppeln sind bei SINUA "intelligent" gebaut. Ist zum Beispiel in der Melodie eine Pause und die Begleitung spielt weiter, erkennt das System dies und oktaviert nicht den oberen Begleitungston. Die Registerfessel und der Trakturabsteller sind weitere Highlights dieses Systems. Mit der Tastenfessel kann der Organsit einzelne Töne oder Akkorde auf einem Werk festhalten lassen und dazu improvisieren.

Mit dem intergrierten Midi-Gerät kann der Organist sein Spiel aufzeichnen. Sowohl manuelle als auch setzerbedingte Registerwechsel werden mitgespeichert, selbstverständlich auch der benutzte Schweller. Dies ist von großem Nutzen, um sich selbst im Raum abzuhören oder eine Begleitung für den Chor vorher einzuspielen. Mit der Fernbedienung kann man von jedem Ort der Kirche aus den Midi-Player starten und stoppen.Sogar Tempi-Schwankungen sind korrigierbar. Klangbeispiele

Bei der Intonation der Orgel sind wir dann ganz bewusst auf die Klangfarben des Instruments eingegangen. Mit der Vielzahl der Möglichkeiten, die das System SINUA bietet, musste nicht mehr allein auf das Klangvolumen der Orgel geachtet werden. So hatten wir Spielraum mit den Windrücken zu spielen, um das beste Ergebnis für die einzelnen Stimmen herauskitzeln und sie harmonisch miteinander verbinden zu können.

Bei dieser doch hochtechnisch wirkenden Beschreibung zur Orgel muss aber niemand Sorge haben, dieses Instrument nicht "ohne Führerschein" spielen zu können. Bewusst haben wir den Spieltisch sehr übersichtlich gehalten. Alle Register und die wichtigsten Koppeln sind als Wippe schaltbar.

Die Ausgangssituation

Da wir seit vielen Jahren bewährt mit der Firma Späth zusammenarbeiten, war es uns ein Vergnügen, ein Teil des Teams bei diesem Orgelprojekt zu sein. 

Das Schweizer Team: Carmen Späth, Roland Koch, Sepp Keusch, Joaquim Silva, Christine Müller, Niklaus Stengele

Bau des Spieltischs

In der Kirche

Impressionen vom Spieltisch

Disposition

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