Technik und Klang

Handwerk verbindet sich mit Ingenieurswissen

Gute Handwerkskunst hat sich immer offen gezeigt für Neuerungen und technische Hilfsmittel. Letztendlich ist das Ingenieurswissen eine Erweiterung des handwerklichen Erfahrungsschatzes um eine breitere wissenschaftliche Kenntnis.

Die Kombination beider Aspekte, die bei uns durch die vielseitige Ausbildung unseres Chefs Johannes Klein als Orgelbaumeister, Maschinenbauingenieur und Maschinenschlosser wirksam ist, schafft ideale Voraussetzungen für einen einerseits traditionsbewussten und doch Neuem aufgeschlossenen, kenntnisreichen, zeitgenössischen Orgelbau.

Letztendlich schaffen wir so eine Symbiose aus „wissenschaftlich Erklärbarem" und dem Gefühlten „aus dem Bauch heraus Unerklärbaren", was zu besonders guten Ergebnissen in der Praxis führt.

Handwerkskunst und Ingenieurwesen reichen sich bei uns in unserem Betrieb die Hand und arbeiten freundschaftlich zusammen. Deshalb fließen bei uns gängige Ingenieursbegriffe in den Alltag ein - daraus entstehen Ideen, Lösungen und gute Konstruktionen.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen nur einige wenige Felder aus dem Ingenieurswesen aufzeigen, die im Orgelbau eine praktische Rolle spielen.

Die „Eulersche Knickung" kennt eigentlich jeder, die wenigsten aber wohl unter diesem Begriff. Sie bedeutet, dass ein Stab eine gewisse Dicke haben muss, damit er bei Belastung und Druck von oben nicht mittig nachgibt oder gar wegknickt. Im Orgelbau finden wir dieses Phänomen zum Beispiel in der Stechermechanik wieder. Aber auch beim Lagerwerk tritt es auf. Die „Eulersche Knickung" kann man berechnen und so entstehen schon in der Konstruktion stabile Bauteile mit minimalsten Querschnitten.

Das „aerodynamisches Paradoxon" gehört zu den kuriosesten Dingen der Strömungslehre, da es genau das Gegenteil von dem tut, was man man erwartet. Ursache ist der entstehende Unterdruck bei Strömungen in Leitungen und Röhren. Ohne dieses "Paradoxon" gäbe es den Orgelbau nicht. Denn sowohl Lippen- als auch Zungenpfeifen funktionieren nur damit. Aber es kann eben auch negativen Einfluss haben, wenn der entstehende Unterdruck im Fluss des Windes geöffnete Tellerventile plötzlich wieder ansaugt. Wir wissen um diese negativen Folgen und lassen diese Erkenntnis in die Konstruktion einfließen.

Das Wissen um „Flächenträgheitsmoment I" und „Elastizitätsmodule E" vereinfacht die Konstruktion und die Planung um ein vielfaches.

Markante Bauweisen

Die Qualität der Arbeiten aus der Orgelmanufaktur Klein rührt von bestimmten spezifischen Baumerkmalen her, die in all unseren Instrumenten zu finden sind. Diese markanten Positionen in unseren Orgeln sorgen für Langlebigkeit des Instruments und lange währende Spielfreude.

Schon bei der Konstruktion werden die einzelnen Bauteile in soliden Dimensionen geplant, Kräftelinien berechnet und das Arbeiten des Holzes vorhergesehen. All diese einfließenden, konstruktiven Maßnahmen führen zu einem Instrument der besonderen Güte. Dass hier nur Werkstoffe von höchster Qualität Verwendung finden dürfen, versteht sich von selbst.

Der Einsatz unseres Sandwich-Lagerwerks, ebenso die Verwendung von Normteilen der ersten Klasse bei Kugellagern und Gelenkköpfen aus Stahl seien hier nur exemplarisch genannt.

Intonationscharakter

Kraft und Poesie unserer Instrumente, wie sie in den Klangbeispielen zu hören sind, entstehen durch die Kunst der Intonation. In diesem Arbeitsvorgang wird der grundlegende Klangcharakter und auch die Grundlautstärke jedes einzelnen Registers festgelegt.

Hierbei wird jedes Register bewusst ausdrucksvoll auf seinen namenstypischen und bauformtypischen Charakter hin klanglich geformt. Dies führt dazu, dass die Instrumente auch im vollen Spiel niemals „schreien“, sondern, dass sich das wohlige Gefühl des „Brausens der Orgel“ einstellt. Im Zusammenwirken der Einzelfarben mischen sich die einzelnen Klangcharakteristiken immer wieder neu und ergeben ein faszinierendes und schillerndes Klangspektrum.

Elektrik und Elektronik im Orgelbau

Eine rein mechanische Orgel erfreut nicht nur das Orgelbauerherz. Ist sie gut gebaut, läuft sie Jahrzehnte. Und sollte doch einmal ein Zipperlein auftreten, ist dieses schnell zu erkennen und zu beheben.

Aber auch die Elektrik hat Einzug in den Orgelbau gehalten. Nach den ersten Gehversuchen in den 50er und 60er Jahren hat sie sich zur feinsten Elektromechanik mit Mikroprozessorsteuerung weiter entwickelt. Auf die Einhaltung technischer Sicherheitsbestimmungen wird größten Wert gelegt.

Der maßvolle Einsatz von elektrischen Bauteilen und elektronischen Steuerungen je nach Projekt unterstützen wir sehr. So kann die Setzeranlage mit unbegrenzter Speicherbelegung eine Bereicherung sein. Dazu kommen computergesteuerte Spielhilfen wie freiprogrammierbare Koppeln,  "intelligente" Melodie- und Basskoppel, Trakturfessel oder Trakturabsteller. 

Die Aufzeichnungsmöglichkeit mittels Midi ist eine große Hilfe für Organisten, das eingespielte Orgelwerk selbst im Raum abzuhören. Die Ensatzmöglichkeiten lassen sich fantasievoll nutzen.

Wir kennen die unterschiedlichen Systeme, vom einfachen Setzer bis hin zur computergesteuerten Trakturanlage und beraten Sie gern.